Erfahren Sie, warum vermeintliche Hürden wie die „Damen-Toilette“ oft ganz pragmatisch gelöst werden können. Wir zeigen Ihnen auf, welche handfesten Förderungen und Netzwerke bereitstehen, um Ihren Betrieb als attraktiven, modernen Arbeitgeber zu positionieren.
Warum lohnt es sich für kleine und mittlere Handwerksbetriebe, gezielt Frauen zu gewinnen?
Maja Liebisch, Handwerkskammer Hamburg: Weil sie sie brauchen. Beim herrschenden Fachkräfteengpass können es sich Betriebe schlicht nicht leisten, qualifizierte Frauen zu übersehen. Zudem arbeiten gemischte Teams nachweislich erfolgreicher. Frauen bringen andere Perspektiven und Ansätze ein – mit positiven Impulsen für mehr Qualität und Innovation.
Welche typischen Vorbehalte oder Bedenken begegnen Ihnen – und was entgegnen Sie darauf?
Maja Liebisch: Der Klassiker: „Das ist zu schwer für dich." Das stimmt so nicht. In der modernen Handwerkspraxis sind Tätigkeiten, für die früher sehr viel Muskelkraft benötigt wurde, längst viel leichter geworden. In die Mottenkiste gehört auch: „Wir haben keine separate Frauentoilette." Braucht man nicht. Eine nicht einzusehende und abschließbare Unisex-Toilette reicht. Das sind alles keine Hindernisse. Die Schranken sitzen im Kopf.
Was sind die ersten drei einfachen Schritte, mit denen ein Betrieb starten kann – ohne großen Aufwand?
Maja Liebisch: Erstens Stellenanzeigen überarbeiten: „Elektroniker:in" schreiben, das ist Standard. Und etwas wie: „Wir freuen uns über Bewerbungen von Frauen." Frauen fällt sofort auf, wo man sie wirklich haben will. Zweitens bei Fotos, für die Website und Social Media oder bei Stellenausschreibungen etwa, immer darauf achten, dass auch Frauen abgebildet sind. Und drittens Praktika und Schnupperaktionen gezielt für Mädchen anbieten. Das alles sind wirkungsvolle Maßnahmen, die ohne viel Aufwand umzusetzen sind.
Wie können Betriebe gezielt Schülerinnen oder Quereinsteigerinnen begeistern?
Maja Liebisch: Das funktioniert am besten, wenn der Betrieb die Vielseitigkeit des Berufs zeigt, am besten live mit praktischen Einblicken. Das ist für Schülerinnen Gold wert, weil es viel authentischer ist als jeder Schulunterricht. Die Handwerkskammer hilft Betrieben, in Kontakt mit Schulen zu kommen.
Im Praxisunterricht ist es enorm wichtig, die Schülerinnen so viel wie möglich selbst machen zu lassen: löten, Verbindungen stecken, eben das, was mit dem Beruf zu tun hat. Das Schöne: Schülerinnen und Quereinsteigerinnen, die authentische Erfolgserlebnisse hatten, werden zu Botschafterinnen, zu Multiplikatorinnen für eine handwerkliche Ausbildung – aus eigener Erfahrung.
Welche konkreten Unterstützungsangebote bietet die Handwerkskammer Hamburg Betrieben, die mehr Frauen einstellen möchten?
Maja Liebisch: Wir kommen gern in den Betrieb und beraten vor Ort, weil jedes Arbeitsumfeld anders ist. Und wir schauen gemeinsam, wie Betriebe in ihrer Außendarstellung auf Frauen in der Berufsorientierungs- und Bewerbungsphase wirken.
Dass wir auch bei der Planung von Berufsorientierungsformaten wie dem Girls' Day unterstützen, sagte ich bereits. Wir möchten, dass Betriebe, die sich engagieren und Frauen ausbilden wollen, bei diesen auch wirklich landen können. Und wir sind auch die richtigen Ansprechpartner bei der Anbahnung von Kooperationen mit Schulen und helfen, Besuche bei Schulklassen vorzubereiten, bei denen gezielt Mädchen angesprochen werden sollen. Unser Credo: Es geht nicht ums breite Senden einer Botschaft, sondern ums Gewinnen echter, persönlicher Kontakte. Damit kennen wir uns aus und bieten unsere Expertise gern an.
Welche finanzielle Unterstützung und speziellen Programme wie Netzwerke oder Mentoring gibt es für Frauen und welche handfesten Vorteile haben Betriebe davon?
Maja Liebisch: Die Handwerkskammer Hamburg bietet für Frauen aller Karrierestufen vielfältige Angebote. Jede Handwerkerin, sei es eine Unternehmerin oder eine Frau in der Ausbildung, ist zum Beispiel im Handwerkerinnen-Netzwerk herzlich willkommen. Fachbeiträge aus diesem Netzwerk können die Frauen als spannende Impulse mit in ihren Betrieb nehmen. Ein Coachingangebot sowie Mentoring-Programm für Handwerkerinnen in Ausbildung tragen dazu bei, dass Auszubildende vom Wissen erfahrener Handwerkerinnen profitieren und dadurch gestärkt ihren Weg in der Ausbildung gehen können.
Und auch Gesellinnen mit Interesse an der beruflichen Weiterentwicklung finden bei der Aufstiegsbegleitung Unterstützung, um sich zu Aufstiegsfortbildungen zu orientieren und Karriereperspektiven im Handwerk zu entwickeln. Gut informiert über Fortbildungen, finanzielle Fördermittel und organisatorische Hinweise können die Handwerkerinnen ihren nächsten Karriereschritt planen und möglicherweise ihrem Betrieb als zukünftige Führungskraft oder sogar als Nachfolgerin zur Verfügung stehen.
Das komplette Interview lesen Sie in unserem Mitgliedermagazin „NFE dialog“ 02/26.
Sie möchten Beratung und praktische Tipps um Frauen in Ihrem Betrieb aktiv zu fördern? Dann wenden Sie sich an:
Projekt Dein Traumjob im Handwerk
Maja Liebisch
Tel. 040 35905 - 701
E-Mail maja.liebisch@hwk-hamburg.de
