Aktuelles vom NFE

Weitere Erleichterung bei Nutzung Erneuerbarer Energien

Das Gebäudeenergiegesetz verbessert die Anrechenbarkeit von Solarstrom und Speichern und ermöglicht innovative Ansätze zur Energieeffizienz.

Bereits Ende Oktober 2019 beschloss das Bundeskabinett das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das unterschiedliche Gesetze zur Gebäudeenergieeffizienz und zur Nutzung von Wärme aus Erneuerbaren Energien zusammenfasst. Dabei konnten einige Verbesserungen erreicht werden. Der Zentralverband (ZVEH) und die Landesinnungsverbände der elektro- und informationstechnischen Handwerke setzten sich danach für weitere Nachbesserungen ein, insbesondere hinsichtlich der Anrechenbarkeit von Solarstrom. Unlängst hat der Bundestag das GEG verabschiedet – mit zahlreichen Nachjustierungen, die wichtigen Forderungen der E-Handwerke Rechnung tragen.

Während die Benachteiligung von Stromheizungen bereits zu einem frühen Zeitpunkt aus dem Referentenentwurf des GEG gestrichen wurde – durch eine Studie und einer drauf aufbauenden Argumentation, kommen die aktuellen, von den Koalitionsparteien eingebrachten und vom Bundestag beschlossenen, Änderungen nun vor allem der dezentralen Energieversorgung zugute. Allerdings: In Hamburg verbietet das Hamburgische Klimaschutzgesetz nach wie vor die Nutzung von elektrischen Speicherheizungen mit einer Leistung von mehr als 2 kW.

Bessere Anrechenbarkeit von PV-Strom
Als Erfolg verbucht das Elektro-Handwerk, dass die Anrechenbarkeit von Strom aus Erneuerbaren Energien deutlich verbessert wurde, indem die als zu niedrig kritisierten Anrechnungsdeckel in erheblichem Maß angehoben wurden. So können in Gebäuden mit einer Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) ohne Batteriespeicher anstelle der ursprünglich vorgesehenen 20 Prozent nun 30 Prozent der selbst erzeugten Solarenergie als Erneuerbare Energie auf den Jahresprimärenergiebedarf eines Gebäudes angerechnet werden. Mit dieser Regelung steigt die Bedeutung Erneuerbarer Energien für die Energieeffizienz eines Gebäudes.

Speicher werden attraktiver
Für Gebäude mit Photovoltaik-Anlage und Batteriespeicher wurde die Anrechenbarkeit, den Forderungen des E-Handwerks entsprechend, von ursprünglich 25 Prozent auf jetzt 45 Prozent des Jahresprimärenergiebedarfes des Gebäudes angehoben. Eine Entscheidung, die nach Ansicht der Elektro-Branche die Anschaffung von Speichern deutlich attraktiver macht. So rechnet sich diese in Zukunft gleich doppelt: Die Quote zur Eigennutzung des in der PV-Anlage erzeugten Stroms verbessert sich. Darüber hinaus wirkt sich die veränderte Anrechenbarkeit positiv auf die Bilanz des Jahresprimärenergiebedarfes aus.

Besserstellung für Mehrfamilienhäuser
Eine weitere Verbesserung stellt die veränderte Berechnungsgrundlage für die Größe einer auf dem Dach eines mehrgeschossigen Wohngebäudes installierten PV-Anlage dar. Bisher wurde die Mindestanlagengröße anhand der gesamten Gebäudenutzfläche ermittelt. Mehrgeschossige Gebäude verfügen jedoch über eine – im Vergleich zur Nutzfläche – sehr geringe Dachfläche. Die Folge: Aufgrund der im Verhältnis zur Nutzfläche zu geringen Anlagengröße konnte der erzeugte Solarstrom nicht angerechnet werden. Dadurch, dass die Berechnungsvorschriften nun eine Bereinigung um die Geschoßanzahl vorsehen, können künftig auch kleinere PV-Anlagen auf die Energiebilanz des Gebäudes angerechnet werden.

Innovationsoffenheit wird gefördert
Durch die verbesserte Anrechenbarkeit von PV-Strom in Gebäuden mit Photovoltaik-Anlage sowie in Gebäuden mit PV-Anlage und Batteriespeicher schafft der Gesetzgeber deutlich mehr Spielräume, um die Energieeffizienz eines Gebäudes durch alternative Möglichkeiten zu verbessern. Der Bauherr hat nun mehr Gestaltungsmöglichkeiten und kann wählen, inwieweit er die Vorgaben durch bauliche Maßnahmen, zum Beispiel eine Dämmung, oder durch den Einsatz selbst erzeugter Erneuerbarer Energie (z. B. PV-Strom) erfüllt. Das E-Handwerk setzt sich schon lange dafür ein, das Potential von Gebäuden als Kraftwerk zu nutzen, indem das Modell des Prosumers, also des Verbrauchers, der gleichzeitig Erzeuger ist, gestärkt wird. Die höhere Anrechenbarkeit wird so zu einem wichtigen Baustein der Energiewende und gleichzeitig zu einem lokalen Element der Sektorkopplung, weil sie die Bereiche Gebäude und Energieerzeugung miteinander verbindet.

PV-Strom für E-Mobilität nutzen
Dazu passt auch, dass das GEG eine wichtige Nutzungsmöglichkeit für Solarstrom von Beginn an vorsah: Selbst produzierter Strom muss nicht ausschließlich direkt im Gebäude genutzt werden, sondern kann auch gebäudenah und damit beispielsweise für das Laden von Elektrofahrzeugen in unmittelbarer Umgebung zum Gebäude (z. B. Garage, Carport oder auf nahegelegenen Stellplätzen) eingesetzt werden. Auch dies ist ein Baustein für die Kopplung unterschiedlicher Sektoren, in diesem Fall Gebäude, dezentrale erneuerbare Energieversorgung und Verkehr.